Flüchtlingspraktikum Duisburg – Tipps und Hinweise

Flüchtlingspraktikum Duisburg:

Handreichung: Tipps aus Duisburg

Flüchtlingspraktikum Duisburg – 7 Schritte zum Erfolg

Eine Handreichung der FLÜPRA-Initiative für Praktiker

(Flüchtlingspaten, ehrenamtliche Betreuer)

Autor: Ulrich Thünken

 1.        Berufliche Interessen des Bewerbers erkunden

           Flüchtlinge bringen sehr unterschiedliche berufliche Erfahrungen mit. Nach der Sichtung ihrer Dokumente sollte in einem Gespräch ermittelt werden, welche Vorstellungen und Wünsche die oder der Geflüchtete selbst hat. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es in fast allen Herkunftsländern keine Berufsbildung wie in Deutschland gibt. Insbesondere die duale Ausbildung ist unbekannt. Die meisten in Deutschland verbreiteten Ausbildungsberufe werden in den Herkunftsländern in einer Anlernzeit oder nach einem Studium ausgeübt. Für die Auswahl eines Praktikums ist daher weniger die im Herkunftsland erworbene formale Qualifikation als die Frage relevant: „Was können Sie, was möchten Sie in Deutschland beruflich machen?“ Dabei sollte von vornherein bedacht werden, welche Chancen der Arbeitsmarkt in Deutschland bietet und in welchen Berufsfeldern wenig Aussichten bestehen. Als Ergebnis kann dann festgehalten werden:

           Herr / Frau ……. möchte in einem Praktikum den Beruf / das Berufsfeld …….. kennen lernen und praktisch erproben, ob es den eigenen Fähigkeiten und Wünschen entspricht. 

    2.     Mögliche Betriebe suchen

           Betriebe, die den Interessen des Praktikanten entsprechen, gut erreichbar sind und für ein Praktikum  geeignet erscheinen, finden sich über Suchmaschinen im Internet, über die Kammern und Fachverbände, über Gewerkschaften usw. Häufig können Praktika für Flüchtlinge, ähnlich wie bei Schülerbetriebspraktika, durch persönliche Kontakte, über den Freundes- und Bekanntenkreis vermittelt werden. Wenn der ausgesuchte Betrieb offene Stellen anbietet oder Auszubildende und / oder Bewerber für Schülerbetriebspraktika sucht, kann das ein Anhaltspunkt dafür sein, dass eine Offenheit auch für Praktika von Geflüchteten besteht. Zwingende Voraussetzung für ein Praktikum ist dies jedoch nicht. Eine qualifizierte Erfahrung in einem Betrieb kann auch ohne die Möglichkeit einer späteren Übernahme ein wichtiger Baustein für den Berufsweg sein. 

    3.     Kontakt zum Betrieb aufnehmen

           Der persönliche Kontakt zum ins Auge gefasste Betrieb, in der ersten Stufe telefonisch, ist einer schriftlichen oder online Bewerbung vorzuziehen. Wenn sich der Betrieb dabei grundsätzlich aufgeschlossen zeigt, sollte als zweite Stufe eine schriftliche Vorstellung des Praktikanten an den Betrieb, in der Regel als Mail,  übermittelt werden. Dazu reicht eine kurze Darstellung  der relevanten Daten aus. Darin sollten die Kontaktdaten, der Status,  ein knapper Lebenslauf, bisherige Bildungs- und Berufswege und Interessen enthalten sein. Für die erste Information des Betriebs reichen in der Regel 1-2 Seiten aus.  

    4.     Vorstellungsgespräch im Betrieb

           Mit einem Betrieb, der sich offen für ein Praktikum zeigt, sollte ein Vorstellungstermin vereinbart werden. Dabei ist eine Begleitung des Flüchtlings durch die Betreuungsperson hilfreich. So lernt der Betrieb schon beim ersten persönlichen Kontakt die Person kennen, die auch während des Praktikum im Falle von Unstimmigkeiten eingeschaltet werden kann. In der Besprechung sollte geklärt werden, wie der Praktikant eingesetzt werden soll, welche Voraussetzungen (z.B. Arbeitskleidung, Sicherheitsanforderungen, Regeln im Betriebsablauf) für das Praktikum gelten. Es sollte ermittelt werden, wie der Praktikant den Betrieb – in der Regel mit öffentlichen Verkehrsmitteln – erreichen kann und wie ggf. die Fahrkosten finanziert werden können. Es kommt vor, dass Betreibe Sachleistungen gewähren oder Fahrkosten übernehmen, eine Verpflichtung dazu besteht nicht. Wünschenswert ist es, dass auch die Mitarbeiter, die das Praktikum im Betrieb betreuen, den Praktikanten kennen lernen.

 

    5.     Praktikumsvertrag abschließen

           Zum Abschluss des Gesprächs sollte der Praktikumsvertrag (Muster auf der Webseite) gemeinsam ausgefüllt und unterschrieben werden. Der Vertrag muss dann von der zuständigen Ausländerbehörde (bei Flüchtlingen mit noch nicht entschiedenem Asylverfahren oder Geduldeten) oder vom Jobcenter (bei Flüchtlingen mit Aufenthaltsstatus) genehmigt werden. In Duisburg besteht die Vereinbarung, dass die Ausländerbehörde bei Nutzung des abgestimmten Vertragsformulars und sofern keine anderen rechtlichen Bedenken bestehen kurzfristig die Genehmigung erteilt.  Beim Jobcenter kann im Einzelfall beantragt werden, erhöhte Fahrkosten oder sonstige Aufwendungen, die für das Praktikum erforderlich sind, finanziell zu fördern. Das ist aber nur bei Praktika von maximal 6 Wochen möglich. Längere Wartezeiten bei der Bearbeitung des Antrags können beim Jobcenter erfahrungsgemäß nicht ausgeschlossen werden. 

    6.     Praktikum durchführen

Flüchtlingspraktikum

Adel H. aus Eritrea: Praktikum KFZ-Werkstatt

            Während des Praktikums sollte der Betreuer des Praktikanten für kurzfristige Nachfragen und ggf. auch eine Besprechung im Betrieb zur Klärung von Unstimmigkeiten oder für die Lösung von Konflikten  erreichbar sein. Der Betrieb hat die alleinige Hoheit über den Ablauf des Praktikum. Bei nicht zu lösenden Konflikten muss das Praktikum abgebrochen werden. Während des Praktikums können Nachfragen des Betreuers oder ein angekündigter Besuch im  Betrieb zum Gelingen des Praktikums beitragen. Sofern Fotos vom Praktikum gemacht oder Erfahrungen aus dem Betrieb in die Öffentlichkeit getragen werden sollen, ist das Einverständnis des Betriebs zwingend erforderlich. Spontane „Selfies“ und ihre Verbreitung sind unangemessen.  Hier ist Sensibilität des Praktikanten und des Betreuers gefordert. 

    7.     Nachbesprechung und Praktikumsbescheinigung 

           Am Ende des Praktikum erhält der Praktikant eine Bescheinigung (Muster siehe Webseite). Bei kleineren Betrieben mit wenig Erfahrung im Personalmanagement kann dem Betrieb Hilfestellung bei der Erstellung der Bescheinigung angeboten werden. Darüber hinaus ist es im Sinne der weiteren beruflichen Entwicklung des Flüchtlings, in einer Besprechung mit Betrieb, Praktikant und Betreuer die Erfahrungen im Praktikum zu reflektieren und dem Flüchtling aus der Sicht des Betriebs Hinweise zu Stärken und Schwächen, weitere Qualifikationen und Ausbildungs- und Arbeitsmöglichkeiten in der Branche zu geben. Sofern das Praktikum eine gute Eignung des Praktikanten gezeigt hat, kann damit ein wichtiger Baustein für die weitere berufliche Zukunft gelegt werden. Die Praktikumsbescheinigung ggf. ergänzt um weitere Hinweise des Betriebs sollte Bestandteil späterer Bewerbungsunterlagen des Flüchtlings werden.